BESUCH AUS DER ÖKUMENE
Vom 03. bis 11.Juni 14 waren die Südsudanesen Provost (= Superintendent) Canon Sylvester und sein Bruder Ambrose in Deutschland zu Besuch. Beide gehören zur anglikanischen Kirche und sind Begründer der von der Regierung anerkannten Stiftung „Education and Peace Foundation“. Mit beiden bestehen seit Jahren vor allem über Ehepaar Christel und Guenter Selbach, Norderney enge Kontakte. Im Herbst 2013 wurde der „Freundeskreis Kadeba“ unter dem Dach der ev.-luth. Kirchengemeinde Norderney gegründet. Kadeba ist der Ort im Südsudan, ca 180 Km nordwestlich von der Hauptstadt Juba, an dem unter anderem mit finanzieller Hilfe aus Norderney 2012 ein Geburtshaus mit Einrichtung erstellt wurde. Das nächste Ziel ist eine Schule, vor allem für Mädchen und junge Frauen.
Auf Einladung von „Sudan and Southsudan Focal Point Europe“ konnten Sylvester und Ambrose Anfang Juni an der Sudan-Südsudantagung in Hermannsburg teilnehmen, die jährlich von Marina Peter mit finanzieller Hilfe von BROT FÜR DIE WELT, MISEREOR, Hannoverscher Landeskirche und anderen organisiert wird. Ehepaar Selbach hat Sylvester und Ambrose von dort mit auf die Insel gebracht, um die persönlichen Kontakte zu festigen und aktuelle Information über die Lage im Land und besonders in Kadeba zu erhalten.
Nach der wohl behaltenen Rückkehr nach Juba hat Sylvester ein Dankesschreiben an die „dear friends“ per Mail geschickt, das wir hier übersetzt allen zur Kenntnis geben möchten. Wer den englischen Originaltext lesen möchte, möge sich an Ehepaar Selbach wenden ( Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! ).

Wort der Dankbarkeit                                    25.Juni 2014
Liebe Freunde,
erlaubt mir, meine ehrliche Dankbarkeit auszusprechen an Marina Peter und an die Verantwortlichen für die Sudan-Südsudantagung in Hermannsburg für ihren Einsatz und ihre Unterstützung, ohne die es nicht möglich gewesen wäre, sowohl die Konferenz als auch die Freunde auf Norderney zu besuchen. Obwohl es nicht so einfach ist, Visa für Deutschland zu erhalten, war Marina Peter in der Lage, den Genehmigungsprozess zu vereinfachen, unsere Tickets zu bezahlen und die Unterbringung und Verpflegung in Hermannsburg zu organisieren. Wir danken ihr für ihre Vermittlung und ihren Beitrag. Grüße auch an unsere lieben Freunde auf der Insel Norderney. Es war eine schöne Zeit, sich zu treffen, sich auszutauschen und unsere Prioritäten zu überdenken und neue Beziehungen zu knüpfen.
Unsere Zeit mit euch auf der Insel war sehr bereichernd, freundlich und liebenswert angefangen mit der Aufnahme bei den „Freunden Kadebas“ und der offenen Diskussion. Die Menschen von Kadeba werden die Unterstützung und Gebete nicht vergessen, insbesondere euer großzügiges Engagement gegen den Hunger und für das Schulprojekt. Wir möchten unsere Freude darüber ausdrücken, welche Rolle Frauen in unserer Beziehung spielen. Hier möchte ich erinnern an die Klage der Frauen, die zu Jesu Grab gingen und sich fragten, ‘wer wird uns den Stein vom Grab rollen?‘. Heute haben die Menschen von Norderney zu den Menschen von Kadeba gestanden und zusammen können wir sagen: ‚Wir rollen den Stein weg‘. Dieses Beispiel der Solidarität zwischen den Menschen von Kadeba und von Norderney manifestierte sich im Bau des Geburtshauses samt Einrichtung. Es versorgt die Gemeinschaft von Kadeba. Im Zeitraum zwischen Januar 2012 und Mai 2014 wurden dort mehr als 424 Babys geboren. Dies war vorher undenkbar in der ländlichen Umgebung von Kadeba. Wir wissen die Anstrengungen von Menschen zu schätzen, die nicht nur gespendet sondern sich auch persönlich eingebracht haben. Wir wollen uns weiter dafür einsetzen, dass Frauen eine größere Rolle in der Gemeinschaft übernehmen, indem wir es den Mädchen ermöglichen, durch das Schulprojekt weiter zur Schule zu gehen. Wie die Musiker es in ihrem Stück (beim Benifizkonzert im Gemeindehaus an Pfingstmontag) ausgedrückt haben:  „Wir und du können die Welt zu einem besseren Ort für die Menschheit machen.“ Sehr ermutigend für uns war diese Veranstaltung mit ihren inspirierenden Liedern und Botschaften von Möglichkeiten der Veränderung - und auch die  Spenden der Besucher. Die Frauen und Männer saßen nicht still dabei sondern sprachen zu uns durch Taten, durch ihre Beiträge sowohl als Gruppe als auch von Einzelnen. Wir erkennen und schätzen eure Liebe und Unterstützung der Menschen von Kadeba im Besonderen und der Menschen im Südsudan im Allgemeinen.
Wir danken für den Gottesdienst mit Friedensgebet und dass Menschen sich die Zeit genommen haben, für Frieden im Südsudan zu beten. Unser besonderer Dank gebührt der Pastorin (Frau Bürger), die eine starke und lehrreiche Botschaft des Friedens in ihrer Predigt am Pfingstsonntag ausgesprochen hat. Wir haben in jüngster Vergangenheit undenkbare und schreckliche Situationen erlebt. Auseinandersetzungen haben unser Land verwüstet, Menschen wurden getötet und die Toten zum Teil von Geiern und wilden Tieren gefressen. Auf diesem Hintergrund danken wir besonders für die weise und aktuelle Botschaft: der Heilige Geist schenkt die Kraft, alle Formen des Leidens zu überwinden.
Der Bürgermeister zeigt in seinem Auftreten und seiner Bescheidenheit, dass er ein Visionär ist. Wir danken ihm für die Gelegenheit des Besuchs und des Eintrags ins Goldene Buch der Stadt – dies werden wir nicht vergessen.
Ebenso schätzen wir das Treffen mit dem Superintendenten vom Kirchenkreis Norden, der trotz Zeitknappheit uns besuchte und mit uns die Visionen und Pläne für die Menschen von Kadeba teilte. Wir hoffen, dass wir noch weitere Unterstützung für unser geplantes Schulprojekt erhalten, durch Gottes Gnade.
Die Journalisten haben einen besonderen Platz in unseren Herzen. Wir haben von Guenter alle Zeitungsberichte über die Begegnungen erhalten. Und obwohl wir kein Deutsch sprechen, sind wir inspiriert durch die Berichte der Journalisten und haben deren Botschaft verstanden. Wir werden sie in unsere Gebete einschließen und den Menschen in Kadeba und Südsudan von ihrer Arbeit und ihrer Zuneigung zu Menschen im Südsudan erzählen.
Zusammenfassend möchte ich festhalten: die Menschen in Kadeba werden sich weiterhin für den Frieden im Land einsetzen. Der Friede wird es ihnen ermöglichen, ihre eigenen Kräfte zu mobilisieren und dadurch Entwicklung und Wohlergehen zu erlangen. Um diesem Ziel näher zu kommen hat das Schulprojekt Vorrang für die kommende Zeit. Wir erwarten, dass der Schulbau – so Gott will – im Jahr 2015 beginnen kann. Das bedeutet: wir sollten nicht aufhören, für die Umsetzung des Projektes zu beten und so unsere Träume zusammenführen.
Letztendlich würden wir uns noch mehr darüber freuen, wenn einige von euch das umsetzen, was sie im Augenblick gedanklich planen: ein Besuch bei uns in Kadeba. Gebt diesen Gedanken nicht auf.
Gottes Segen sei mit euch allen.

Canon Sylvester Thomas
Education and Peace Foundation
Juba, South Sudan.

Sylvester Ambrose 1          Sylvester Ambrose 2
Links: Sylvester, rechts: Ambrose